{"id":2218,"date":"2014-10-10T07:49:29","date_gmt":"2014-10-10T05:49:29","guid":{"rendered":"http:\/\/rechtsportlich.net\/?p=2218"},"modified":"2014-10-11T09:26:19","modified_gmt":"2014-10-11T07:26:19","slug":"wann-liegt-eine-zulaessige-parodie-eines-urheberrechtlich-geschuetzen-werkes-vor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/rechtsportlich.net\/?p=2218","title":{"rendered":"Wann liegt eine zul\u00e4ssige Parodie eines urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werkes vor?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\"><span style=\"color: #000000;\">Der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union hat den Begriff der Parodie pr\u00e4zisiert (Urteil v. 03.09.2014, Az: <a href=\"http:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=C-201\/13\" target=\"_blank\" title=\"C-201\/13 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">C-201\/13<\/a>). Die wesentlichen Merkmale einer Parodie best\u00fcnden demnach darin, an ein bestehendes Werk zu erinnern, gleichzeitig aber ihm gegen\u00fcber wahrnehmbare Unterschiede aufzuweisen, und einen Ausdruck von Humor oder eine Verspottung darzustellen. Erforderlich sei weder, dass die Parodie einen eigenen urspr\u00fcnglichen Charakter aufweise, noch dass sie vern\u00fcnftigerweise einer anderen Person als dem Urheber des urspr\u00fcnglichen Werkes zugeschrieben werden k\u00f6nne, oder dass sie das urspr\u00fcngliche Werk selbst betreffe oder gar angebe.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\"><span style=\"color: #000000;\">In dem von einem belgischen Gericht vorgelegten Fall hatte Johan Deckmyn, Mitglied einer fl\u00e4mischen Partei, auf dem Neujahrsempfang der Stadt Gent im Jahr 2011 Kalender verteilt, auf deren Vorderseite eine Zeichnung abgebildet war, die einer Zeichnung auf dem Deckblatt eines 1961 geschaffenen Comicheftes \u00e4hnelte. W\u00e4hrend die Originalzeichung eine der Hauptfiguren dieses Hefts darstellte, die, mit einer wei\u00dfen Tunika bekleidet, M\u00fcnzen Personen zuwirft, welche versuchen, sie aufzusammeln, wurde diese Figur auf der Zeichnung auf den Kalendern durch den B\u00fcrgermeister der Stadt Gent ersetzt, und die die M\u00fcnzen aufsammelnden Personen waren verschleiert und dunkler Hautfarbe. Die Inhaber der Rechte an der Comicreihe waren der Ansicht, dass diese Zeichnung ihre Urheberrechte verletze und erhoben Klage. Deckmyn berief sich hingegen darauf, dass seine Zeichnung eine Parodie darstelle, sodass eine f\u00fcr diese Art von Werken geschaffene Ausnahmeregel anzuwenden sei. Die Kl\u00e4ger sprachen der Zeichnung Deckmyns die Eigenschaft als Parodie ab und warfen ihr vor, eine diskriminierende Aussage zu vermitteln.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\"><span style=\"color: #000000;\">Der Gerichtshof stellte fest, dass die Ausnahmeregel (Art. 5 Abs. 3 Buchst. k der Richtlinie 2001\/29\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2011) nur nach Abw\u00e4gung der Interessen und Rechte der Urheber und anderen Rechteinhaber und der Meinungsfreiheit der Person, die sich auf die Ausnahme berufen will, angewendet werden k\u00f6nne. Insbesondere k\u00f6nnten die Inhaber der Rechte an dem parodierten Werk ein berechtigtes Interesse daran haben, dass dieses nicht mit einer diskriminierenden Aussage in Verbindung gebracht werde. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif';\"><span style=\"color: #000000;\">Das vorlegende belgische Gericht hat nun zu pr\u00fcfen, ob im konkreten Fall bei Anwendung der Ausnahme f\u00fcr Parodien der angemessene Interessenausgleich gewahrt werden kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union hat den Begriff der Parodie pr\u00e4zisiert (Urteil v. 03.09.2014, Az: C-201\/13). Die wesentlichen Merkmale einer Parodie best\u00fcnden demnach darin, an ein bestehendes Werk zu erinnern, gleichzeitig aber ihm gegen\u00fcber wahrnehmbare Unterschiede aufzuweisen, und einen Ausdruck von Humor oder eine Verspottung darzustellen. 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